Eine Finanzkrise und Ihre Chancen

Verfasst am | Januar 11, 2012 | 1 Kommentar

Aus heutiger Sicht ist ein schnelles Ende der vorherrschenden Krise und den damit verbundenen Risikennicht unmittelbar absehbar. Drohende Staatspleiten im Euro-Raum, eine Währungskrise, Inflationsrisiken, eine mögliche Rezession in den USA und eine „harte Landung“ der chinesischen Konjunktur. Das sind die bestehenden Risiken, die Sparer bei der Anlage ihres Vermögens aktuell berücksichtigen müssen. Mit den richtigen Instrumenten und einer ausgewogenen Anlagemischung können sich Anleger jedoch bestmöglich gegen diese Risiken wappnen. Der alleinige Fokus auf vermeintlich sichere Bankeinlagen bedeuten sehr wahrscheinlich reale Vermögensverluste für Anleger und insbesondere langfristig einen realen Kaufkraftverlust des angesparten Guthabens, da selbst Tagesgeldanbieter aus dem Internet (vor allem nach Steuern!) kaum die Inflation schlagen.

Negative Realzinsen bestimmen das aktuelle Anlegerumfeld

Sparbuch Festgeld Bundesanleihe
Normalzins ca. (aktuell) 0,75% 1,00% 2,00%
Inflation (langfristiger Durchschnitt) -2,50% -2,50% -2,50%
Steuer (25 % Abgeltungssteuer*) – 0,19 % – 0,25 % – 0,50 %
Ergebnis – 1,94 % – 1,75 % – 1,00 %
*zusätzlich werden zur 25 %igen Abgeltungssteuer 5,5 % Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer erhoben, der Sparer-Pauschbetrag beträgt seit dem 1.1.2009: 801€ (Ledige) bzw. 1.602€ (Verheiratete); Stand 26.10.11 Das Ausmaß der Krise ist einfach zu groß und die Risiken und Auswege aus der Krise zu unbestimmt. Schon im derzeitigen Umfeld benötigt der Anleger mindestens 2 bis 3 Prozent nominale Rendite, um sein Vermögen zu sichern – verdient hat er dann aber noch nichts.

Mögliche (Aus-) Wege aus der Krise

1. Hohes Wirtschaftswachstum

Die schönste Form des Schuldenabbaus ist eine florierende Wirtschaft. Leider weist der Wachstumstrend in den westlichen Industrienationen seit Jahren nach unten. Ursächlich für den strukturellen Wachstumsrückgang sind die demographische Entwicklung, die Verlagerung des Wachstums in die aufstrebenden Schwellenländer, allen voran China, und zunehmend die hohe Verschuldung der Industrienationen. In letzter Zeit mehren sich jedoch die Anzeichen, dass auch der chinesische Motor ins Stottern geraten könnte. Wachstum als Ausweg aus der Schuldenkrise wird aus aktueller Sicht damit eher unwahrscheinlich.

2. Haushaltskonsolidierung (Ausgabenkürzung, Einnahmenerhöhung)

Das Beispiel Japan lehrt, dass man nicht zu früh mit einer Haushaltskonsolidierung und den damit verbundenen Sparmaßnahmen beginnen sollte, um Schulden abzubauen. Erfolgt dies nicht, könnte, wie auch in Japan, die wirtschaftliche Erholung gefährdet werden. Wenn der Schuldendienst einen großen Teil der Staatseinnahmen aufzehrt, bleiben nur noch zwei Alternativen: Schuldentilgung mit der Notenpresse oder ein massiver Schuldenschnitt. Ein Schuldenschnitt bei größeren Industriestaaten wie Italien (Schuldenniveau sechsmal so hoch wie Griechenland) hätte fatale Konsequenzen, eine klassische Rettung wäre nach Ansicht von Kapitalmarktexperten nicht mehr möglich. Somit ist auch der Schuldenschnitt keine praktikable Option aus heutiger Sicht v. a. für größere Staaten.

3. Kombination aus Inflation und niedrigen Zinsen („finanzielle Repression“)

Last but not least bleibt nur noch die Strategie einer schleichenden Forderungs- oder Geldentwertung der Gläubiger. Die Inflation könnte dabei das einzig erprobte Mittel als Ausweg aus der Krise sein, weil sie sich zumindest anfangs im Verborgenen vollzieht und die Menschen einer Nominalwertgläubigkeit (ich bekomme ja 10.000 € Sparguthaben oder den Nominalwert meiner Anleihe zurück) unterliegen. Dank hoher negativer Realzinsen (hohe Inflation und niedrige Zinsen) haben es die USA schon einmal in der Nachkriegszeit geschafft, ihre Schuldenquote von 116 Prozent im Jahre 1945 auf 66 Prozent im Jahre 1955 zu senken, wobei allerdings auch der Nachkriegsboom geholfen hat. Für US-Amerikaner gab es in der Zeit der Zinskontrolle (1942 bis 1951) mit dem Aktienmarkt eine durchaus lukrative Fluchtmöglichkeit. Risikoscheue Anleger wird es wundern, dass ein wesentlicher Profiteur dieser Strategie ausgerechnet der Aktienmarkt war. Aber mit einem negativen Realzins lässt sich nicht nur die Schuldenquote der Staaten reduzieren, sondern gleichzeitig die Attraktivität anderer Anlagen erhöhen. Unternehmensanleihen, Immobilien und Aktien werden interessanter, ihre Preise steigen oder stabilisieren sich nachhaltig. Fazit Kein Experte kann zurzeit mit Sicherheit vorhersagen, welche Szenarien zum Ausgang der Krise eintreten – vom glimpflichen Ende bis zum Euro-Kollaps ist alles möglich. Sollte unabhängig davon die Inflation in ein paar Jahren in Folge der Liquiditätsschwemme durch die Notenbanken deutlich anziehen, muss ein normaler deutscher Sparer, der den Großteil seines liquiden Vermögens auf dem Bankkonto hortet, langfristig sogar einen erheblichen Verlust der Kaufkraft seiner Spareinlagen akzeptieren. Angesichts der Vermögensstruktur der Deutschen, die mit über 40 Prozent in Spareinlagen und Anleihen investiert sind, ist vor diesem Hintergrund deutlicher Handlungsbedarf erkennbar.

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Kommentare

One Response to “Eine Finanzkrise und Ihre Chancen”

  1. D. Schneiderhahns
    Januar 15th, 2012 @ 10:40

    Sehr schöner Artikel. Besonders die Betrachtung aktuellen Zinssätze zu beginn gefällt mir. Wenn man, wie Sie, von einer durchschnittlichen Inflation von 2,5% ausgeht, müssen zum Ausgleich (inkl. Abgeltungssteuer und Soli) 3,41% erwirtschaftet werden. Kirchensteuerzahler kommen auf einen “Grenzsatz” von max. 3,47%
    Eine solche Rendite bekommt man ohne entsprechendes Risiko nirgends. Die Schuldentilgung durch Inflation und Steuer ist also schon im vollen Gange!

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