Bausparverträge
Verfasst am | September 28, 2009 | 1 Kommentar
Eines der beliebtesten und politisch am stärksten geförderten Anlageprodukte in Deutschland ist in seinem Wesen zunächst auch nichts anderes als ein Kombinationsprodukt: der Bausparvertrag. Ein Bauspardarlehen ist zunächst ein „normaler“ Annuitätenkredit, den man zu relativ günstigen und vorher festgelegten Konditionen von der Bausparkasse erhält, wenn man zuvor eine bestimmte Summe über einen bestimmten Zeitraum angespart und damit eine sogenannte „Bewertungszahl“ erreicht hat. Das Bauspardarlehen wird dann in Höhe der Bausparsumme (das ist der angesparte Betrag zuzüglich des Bauspardarlehens) "zugeteilt". Dann kann man sich entscheiden, ob man sich das angesparte Geld auszahlen lässt oder zusätzlich – was der eigentliche Sinn dieser Konstruktion ist – zu Bauzwecken ein zinsvergünstigtes Darlehen aufnimmt, in das die angesparte Summe mit einfließt. Insbesondere bei Vermittlern erfreut sich das Bauspargeschäft nach wie vor großer Beliebtheit, da hiermit relativ hohe Provisionen zu erzielen sind. Da das Produkt trotz seiner „Bekanntheit“ ohnehin schon komplex und für den Normalkunden nicht unmittelbar transparent ist, lassen sich zudem relativ problemlos dem Kunden weitere Kombinationsmöglichkeiten verkaufen (mit entsprechenden Provisionsmöglichkeiten für den Vermittler) wie etwa Bausparsofortdarlehen. Im Unterschied zum normalen Bauspardarlehen erhält man bei einer Bausparsofortfinanzierung die Darlehenssumme ohne Wartezeit und ohne Ansparleistung ausgezahlt. Auch demjenigen, der nicht in der Lage ist, Eigenkapital anzusparen, soll mit diesem „Bausparvollfinanzierungsmodell“ trotzdem ein Bauspardarlehen verkauft werden. Letztlich wird hier neben dem Bausparvertrag ein weiteres Darlehen aufgenommen und ausgezahlt, das später, nach Zuteilung des Bausparvertrages, durch das (zinsgünstige) Bauspardarlehen abgelöst werden soll. Da aber der Kreditnehmer nichts angespart hat und nicht ansparen will, wird die gesamte Mindestansparsumme eines Bausparvertrages als Einmalzahlung über Kredit finanziert. Die Höhe der Bausparsumme liegt dann aber deutlich über dem eigentlichen Finanzierungsbedarf. Das muss auch so sein, da ja das Darlehen, das später durch den Bausparvertrag bei Zuteilung abgelöst wird, nicht nur den ausgezahlten Finanzierungsbedarf decken muss, sondern eben auch die einmalige Einzahlung der Ansparsumme. Wenn nämlich nach einer im Bausparvertrag festgelegten Mindestsparzeit von beispielsweise vier Jahren das Bauspardarlehen zugeteilt wird, wird erst dann das aufgenommene Bankdarlehen mit dem Bauspardarlehen abgelöst. Während dieser gesamten Zeit musste also eine weit über dem eigentlichen Finanzierungsbedarf liegende Darlehenssumme mit Zinsen bezahlt werden, deren Höhe über denen der Ansparphase des Bausparvertrages liegt.Popularity: 4% [?]
Category: Finanzieren
Kommentare
One Response to “Bausparverträge”
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Oktober 17th, 2009 @ 02:55
bausparverträge sind doch bei dem heutigen zinsniveau total uninteressant.
Bernd Helmut Frank